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Vor- und frühgeschichtliche Archäologie

Aktuelle Projekte:

Abgeschlossene Projekte:


Archäologie im Kloster Schinna, Ldkr. Nienburg/Weser

  • Projektleitung: Prof. Dr. Bernd Päffgen
  • Projektmitarbeiter: Sikko Neupert M.A.
  • Kooperationspartner: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege; Dr. Michaela Harbeck, Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie; Dr. Jens Berthold, Kommunalarchäologie Schaumburger Landschaft; Fa. eastern atlas, geophysikalische Prospektion
  • Fördergeber: Landschaftsverband Weser-Hunte; Gemeinde Stolzenau; Stiftung Kloster Schinna
  • Informationen auf der Website der Vor- und Frühgeschichtlichen Archäologie

Kurzbeschreibung

1148 gründete Graf Wilbrand von Loccum die Benediktinerabtei Schinna. Neben der Gründungsurkunde ist von dieser Anlage heute nichts mehr bekannt. Die heute noch vorhandenen Konventsgebäude werden kunsthistorisch in das 13. bzw. 14. Jahrhundert datiert. Nach einer Phase des Bedeutungsverlustes erlebte der Konvent gegen Ende des 15. Jahrhunderts eine erneute Blüte, als Schinna sich der Bursfelder Kongregation anschloss und unter seinem letzten Abt, Friedrich von Soltau, diverse Umbauten und Neubauten durchgeführt wurden. Kurz nach dessen Tod wurde die Klosterkirche durch Graf Erich von Hoya abgerissen und durch die als „Notkirche“ konzipierte renaissancezeitliche Fachwerkkirche ersetzt, die heute ein Baudenkmal von überregionaler Bedeutung darstellt.

Siedlungs-, Wirtschafts- und Sozialarchäologie des frühen Neolithikums im Tal der Itz (Oberfranken)

  • Kooperationsprojekt: Dr. Heiner Schwarzberg (Archäologische Staatssammlung München; Hauptanatragsteller) sowie Prof. Dr. Carola Metzner-Nebelsick (Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie und Provinzialrömische Archäologie, LMU München; Co-Antragstellerin)
  • Projektmitarbeiterin: Anneli O’Neill M.A.
  • Kooperationspartner/innen: Dr. Stefanie Berg‐Hobohm (Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege); PD Dr. Jörg Fassbinder (Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege); Prof. Dr. Rupert Gebhard (Archäologische Staatssammlung München); Dr. Rupert Hochleitner (Mineralogische Staatssammlung München); Prof. Dr. Britta Ramminger (Archäologisches Institut der Universität Hamburg); Dr. Bernhard Weninger (Institut für Ur‐ und Frühgeschichte der Universität zu Köln)
  • Beteiligte Naturwissenschaftler/innen: Dipl.‐Biol. Barbara Zach (Archäobotanik Labor Zach); Ass. Prof. Dr. Ole Stilborg (SKEA Stilborg Ceramic Analysis); Prof. Carl Heron (University of Bradford, Archaeological Sciences); Dr. Ronny Friedrich (Curt‐Engelhorn‐Zentrum Archäometrie gGmbH); Dr. Hannes Napierala (Bingen)
  • Fördergeber: DFG
  • Informationen auf der Website der Vor- und Frühgeschichtlichen Archäologie

 Kurzbeschreibung

Im Zuge der Baumaßnahme auf der ICE-Aus- und Neubaustrecke Nürnberg-Berlin wurde zwischen April und September 2010 eine frühneolithische Siedlung bei Stadel, Lkr. Lichtenfels, freigelegt. Mit einer untersuchten Fläche von 2,6 ha ist sie die derzeit größte zusammenhängend ausgegrabene Siedlung der Linearbandkeramik im Norden Bayerns. Der ausgegrabene Siedlungsabschnitt umfasst die Grundrisse von 35 Häusern. Weiterhin wurden vier Bestattungen und ein Palisadengraben freigelegt. Die ehemalige Siedlungsgröße kann auf etwa 11 ha geschätzt werden. Die Siedlung ist in eine reiche linearbandkeramische Fundlandschaft eingebettet, die allerdings bislang nur unzureichend untersucht worden ist. Die großflächige Ausgrabung von Stadel bietet erstmals die Chance, die Fundregion entlang der Itz systematisch aufzuarbeiten. Die guten Erhaltungsbedingungen ermöglichen es, anhand archäologischer Methoden gewonnene Erkenntnisse mittels naturwissenschaftlicher Analysen grundlegend zu erweitern. Ein Schwerpunkt des Projekts liegt darin, die absolutchronologische Siedlungsentwicklung anhand einer umfassenden Serie von hochpräzisen 14C-Daten zu umreißen. Die Tierknochen geben Auskunft über die Subsistenzwirtschaft der ersten Bauern, Ziel ist eine diachrone Analyse zur Nutzung von Haus- und Wildtieren. Zudem konnte eine außergewöhnlich große Menge erhaltener pflanzlicher Makroreste in verkohlter Form geborgen werden, deren Gesamtauswertung Ackerbau und Wildpflanzennutzung in einen besonderen Fokus des Projekts rückt. Archäometrische Untersuchungen von Rückständen an Keramik beleuchten einen weiteren Teilaspekt der linearbandkeramischen Lebensweise. Die Ergebnisse sollen schließlich im Kontext der lokalen Siedlungslandschaft zusammengeführt werden, um sozialarchäologische Aspekte innerhalb des Siedlungsverbandes im Tal der Itz herauszuarbeiten.

'Ritual Feasting' in der späten Bronzezeit im nordwestlichen Karpatenraum - archäologische und naturwissenschaftliche Aspekte

  • Projektleiterin: Prof. Dr. Carola Metzner-Nebelsick

Kurzbeschreibung

Durch die vollständige Ausgrabung eines mehrphasigen spätbronzezeitlichen Kultbaus im nordwestrumänischen Lăpuş-Tal konnte nicht nur ein bislang im Karpatenraum und darüber hinaus unbekannter Denkmaltyp erstmals unter Beobachtung einer komplexen Stratigraphie erfasst werden; es ist zudem gelungen, Einblicke in komplexe Ritualzusammenhänge zu erlangen. Ein zentraler Aspekt dieser Rituale besteht im Nachweis von rituell konnotierten Mahlzeiten für vermutlich größere Teilnehmerzahlen, die in und um diesen Kultbau sowie weiteren, durch geomagnetische Prospektionen erfassten Hügelanlagen zelebriert wurden.

Ziel des Projektes ist es, Art und Umfang dieser Gelage und die mit ihnen verbundenen Opferhandlungen zu rekonstruieren und in einen überregionalen Kontext mit vergleichbaren Phänomenen anderer Fundplätze zu stellen.

Lehrgrabung Ilmendorf - frühbronzezeitliche Siedlung und mittelbronzezeitliches Hügelgräberfeld

  • Projektleiterin: Prof. Dr. Carola Metzner-Nebelsick

Kurzbeschreibung

Im Rahmen der geplanten Erweiterung eines Firmengeländes nahe Ilmendorf werden Bodeneingriffe im Bereich eines bereits länger bekannten mittelbronzezeitlichen Hügelgräberfeldes durchgeführt. Elf Hügel, die sich ursprünglich in einem kleinen Waldgebiet befanden, sowie ein südwestlich anschließendes ausgedehntes Areal wurden bereits 2008/2009 archäologisch untersucht. Am 1. August 2011 begann das Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie und Provinzialrömische Archäologie der Ludwig-Maximilians-Universität München im Rahmen einer achtwöchigen Lehrgrabung des Bachelor-Studienganges „Archäologie Europa und Vorderer Orient“ mit der Freilegung und Dokumentation der gefährdeten Befunde. Das Grabungsteam, das vom BLfD und der Archäologischen Staatssammlung München unterstützt wird, umfasst mehrere Spezialisten, so dass den Studenten neben der Grabungstechnik auch Grundlagen von Vermessungstechnik, Fundbergung, grabungsbegleitender Konservierung, Restaurierung und Bodenkunde vermittelt werden können.

Archäologie im Karwendel

Kurzbeschreibung

Der zu Bayern und Tirol gehörige Gebirgszug des Karwendels gehört zu denjenigen Gegenden mitten in Europa, die aus archäologischer Sicht nach wie vor weiße Flecken auf der Landkarte bilden. Da die Region als Naturschutzgebiet von größeren Infrastrukturmaßnahmen, die in der Regel von archäologischen Ausgrabungen begleitet werden, weitgehend verschont geblieben ist und vor allem für die Viehwirtschaft genutzt wird, sind dort bislang nur wenige Fundstellen und Einzelfunde durch Zufall entdeckt worden. Hierzu zählen etwa Rastplätze mesolithischer Jäger sowie Einzelfunde des Neolithikums und der Bronzezeit insbesondere aus dem Umfeld der Pässe und Übergänge ins Inntal, die einen regen Verkehr über den Gebirgszug hinweg schon während der älteren Vorgeschichte andeuten. Auch die Ausbeutung der Solequellen im Halltal spätestens ab der älteren Eisenzeit ist belegt. Ziel des Projekts ist es, den Bestand an archäologischen Quellen durch Feldbegehungen und Ausgrabungen systematisch zu erhöhen, um somit erstmals die Nutzungs- und Besiedlungsgeschichte des Karwendels von der Mittelsteinzeit (Mesolithikum) bis ans Ende der Eisenzeit nachvollziehen zu können.

Ein funeraler Kultbau der späten Bronzezeit aus Lăpuş, Nordwestrumänien, und sein kultureller Kontext

  • Projektleitung: Prof. Dr. Carola Metzner-Nebelsick
  • Kooperationspartner: Muzeul Judeţean de Istorie şi Arheologie Maramureş in Baia Mare, Rumänien (Dr. Carol Kacsó, Bogdan Bobînă MA); Dr. Louis D. Nebelsick Prof. UKSW: Archaeological Institute Kardynal Stefan Wyszyński University Warsaw, Polen
  • Fördergeber: DFG
  • Informationen auf der Website der Vor- und Frühgeschichtlichen Archäologie

Kurzbeschreibung

Die Region des nordwestlichen Siebenbürgens (verwaltungstechnisch zur Region Maramureş gehörig) ist eine Kernregion der europäischen Bronzezeit (ca. 2200-800 v. Chr.). Diese besondere Bedeutung gründet sich auf ihre reichen Ressourcen an Metallen, vor allem Kupfer und Gold sowie Salz. Die Tumulusnekropole und das Kultareal von Lăpuş liegen in einem abgeschiedenen Flusstal-Kessel am Fuß der erzreichen Karpaten.

Aufbauend auf langjährigen Ausgrabungen des Projektpartner Dr. Carol Kacsó in der ehemals aus rund 70 Hügeln bestehenden Fundstelle von Lăpuş werden seit 2007 Hügel 26 sowie sein kultureller Kontext in einem internationalen und interdisziplinären Ausgrabungs- und Projekt erforscht.

Mobilität und soziale Dynamik in Südbayern und im Nordtiroler Inntal in der Urnenfelderzeit (13.-9. Jh. v. Chr.)

Kurzbeschreibung

Ausgehend von der Analyse der Bestattungssitten der Urnenfelderzeit (1300-800 v. Chr.) in Südbayern untersucht TP 4 die Gründe für die in dieser Periode bestehende enge kulturelle Vernetzung mit dem oberen Inntal. In Symbiose mit anthropologischen Untersuchungen stehen dabei Fragen nach Art und Umfang von Mobilität, Migrationsvorgängen und Kulturtransfer im Fokus der Betrachtung. Grundlage bildet die bis dato ausstehende Analyse der Bestattungssitten unter Einschluss anthropologischer Untersuchungen der Region. Südbayern nimmt eine Schlüsselposition für die europäische Spätbronzezeitforschung ein, da im 13. und 12. Jh. v. Chr. soziale Hierarchisierungsphänomene ohne Präzedenz zu beobachten sind (u.a. erste Bestattungen von Wagen fahrenden Kriegern in Mitteleuropa). Als Grund wurde die aktive Rolle der südbayerischen Gemeinschaften bei der Verhandlung von Kupfer, möglicherweise auch der Ausbeutung der Kupferlagerstätten im oberen Inntal vermutet, mit deren Gräberfeldern („Nordtiroler Urnenfelder“) sich große Übereinstimmungen hinsichtlich Grabausstattung und Typenspektrum der Beigaben feststellen lassen. Während die Genese der urnenfelderzeitlichen Kulturentwicklung in Südbayern aus einem heimischen kulturellen Substrat verständlich ist, werden im oberen Inntal in Nordtirol in der Zeit ab ca. 1300 v. Chr. an verschiedenen Orten Bestattungsplätze neu begründet. Sie wurden daher als Zeichen von Migrationsvorgängen aus dem nördlichen Voralpenraum gedeutet. Die Klärung der Frage, ob es sich tatsächlich um Zuwanderung von Menschen oder um Akkulturationsprozesse gehandelt hat und über wie lange Zeiträume Phänomene von Mobilität zu verfolgen sind, wird nun durch die Untersuchung der stabilen Isotope Strontium (Sr) und Blei (Pb) an Leichenbränden erstmals möglich.

Das hallstattzeitliche Prunkgrab von Otzing, Niederbayern

Eurodigitmap

  • Projektpartner am Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie und Provinzialrömische Archäologie: Prof. Dr. C. Metzner-Nebelsick und Dr. C. v. Nicolai.
  • Weitere Partner: Die Universitäten Straßburg, Tübingen, Kiel, Rom Tor Vergata, Siena, Ljubljana, die Tschechische Akademie der Wissenschaften sowie die französischen Forschungsinstitutionen Ecole Française de Rome, Casa de Velázquez Madrid und Centre Archéologique Européen Bibracte.
  • Informationen auf der Website der Vor- und Frühgeschichtlichen Archäologie

Kurzbeschreibung

Das Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie und Provinzialrömische Archäologie wird im Rahmen des Projekts „Digital Mapping of Ancient Europe. Innovations and Cultural Transfers during the 1st Millennium BC (EURODIGITMAP)”, das von der Forschergruppe „Archäologie und Philologie des Orients und des Okzidents“ der Ecole Nationale Supérieure Paris und des Centre National de la Recherche Scientifique geleitet wird, durch die französische Agence Nationale de la Recherche, dem französischen Pendant zur Deutschen Forschungsgemeinschaft, gefördert (wissenschaftlichen Leitung: Dr. Katherine Gruel). Ziel des Projekts ist es, bisher existierende georeferenzierte Datenbanken zur Eisenzeit in Europa miteinander zu verknüpfen, um Daten aus weiteren europäischen Ländern zu erweitern und für die wissenschaftliche Gemeinschaft in Form von Datensammlungen und Kartierungen zugänglich zu machen. Bislang konnten in verschiedenen Datenbanken etwa 100.000 archäologische Fundplätze und Artefakte aber auch Geo- und Umweltdaten zum 1. Jahrtausend v. Chr. in Mittel- und Westeuropa erfasst werden. Diese Datenbasis soll in Zukunft die Grundlage für die Rekonstruktion und Modellierung kultureller Kontakte, aber auch technischer, sozialer und politischer Innovationen bilden, die das 1. Jahrtausend v. Chr. entscheidend prägten.

Das urnenfelderzeitliche Brandgräberfeld von Sopron-Krautacker, Westungarn

  • Projektleitung: Prof. Dr. Carola Metzner-Nebelsick
  • Kooperationspartner: Dr. Erzsébet Jerem (Archäologisches Institut der Ungarischen Akademie der Wissenschaften Budapest), Prof. Dr. Thomas Stöllner (Universität Bochum), Deutsches Bergbaumuseum Bochum, weitere Teilnehmer zweier interdisziplinärer und internationaler Forschungsprojekte („Der Siedlungsraum Sopron als wirtschaftlicher und kultureller Knotenpunkt der Ostkelten“ sowie „Paläoökologie und Besiedlungsgeschichte der Spätbronze- und Eisenzeit Westungarns“)
  • Fördergeber: DAAD, OTKA (Ungarischer Forschungsfond) (Förderung zwischen: 2001-2004), LMU-exzellent Bonusmittel für Frauen (Förderung abgeschlossen; abschließende Publikation in Vorbereitung)
  • Informationen auf der Website der Vor- und Frühgeschichtlichen Archäologie

Kurzbeschreibung

Das urnenfelderzeitliche Gräberfeld von Sopron, Ortsflur Krautacker, liegt am Fuße des Soproner Gebirges in der Ebene des Ikva-Bachtales nahe der österreichischen Grenze in Nordwestungarn. Es ist Teil eines mehrphasigen Siedlungs- und Bestattungsplatzes, der in den Jahren 1977–79 sowie 1983 von Dr. Erzsébet Jerem (Arch. Inst. Akad. der Wiss. Buda-pest) im Rahmen von Rettungsgrabungen aufgedeckt werden konnte.

Insgesamt sind aus dem durch moderne Zerstörungen bereits beeinträchtigten spätbronzezeitlichen Flachgräberfeld von Sopron-Krautacker 156 dokumentierte urnenfelderzeitliche Bestattungen bekannt. Die Belegung des Gräberfeldes setzt mit der älteren Urnenfelderzeit (HaA1) im 12. Jh. v. Chr. ein und endet in der späten Urnenfelderzeit (HaB3) während des 9. Jh. v. Chr. Ein Belegungsschwerpunkt liegt in der Zeit des 10.-9. Jh. v. Chr., bevor die Verlagerung der Nekropole auf die nahe gelegene Höhensiedlung mit vorgelagertem Gräberfeld vollzogen wird. Mit seiner Gräberzahl und der kontinuierlichen Belegung über einen Zeitraum von rund 400 Jahren gehört Sopron-Krautacker zu den derzeit größten und wichtigsten Gräberfeldern der mitteldanubischen Urnenfelderkultur mit einer großen Varianz der Bestattungssitten. Sopron-Krautacker zeichnet sich durch einen in der Zeit ab 1100 v. Chr. in der Region auffälligen Reichtum an bronzenen Beigaben mit Status anzeigender Funktion aus, darunter das bislang einzige Schwertgrab mit Pferdegeschirr der Zeit um 1000 v. Chr. (HaB1) aus Mitteleuropa. Diese umfänglichen Metallbeigaben stehen in gewissem Gegensatz zu der den rituellen Anforderungen geschuldeten, scheinbar achtlosen Ausgestaltung zahlreicher Grabgruben und deren Ausstattung mit Keramik. Überregionale Kontakte lassen sich u.a. anhand keramischer Zierweisen aufzeigen, die sich bis in den bayerischen Donauraum sowie nach Ostungarn und Siebenbürgen verfolgen lassen.

Neben der Materialedition der Grabfunde steht ihre Einordnung in das Kulturgefüge der späten Bronzezeit im Ostalpenraum und im Karpatenbecken im Vordergrund des Projektes. Eine bislang einzigartige, großräumige archäologische Untersuchung der Mikroregion Sopron offeriert zudem die Chance, in Kooperation mit den Bearbeitern anderer Perioden dieses Raumes, sozial wie religiös motivierte Transformationsprozesse an einem Fallbeispiel aufzuzeigen und in einem über mehrere Jahrhunderte währenden historischen Kontext zu betrachten.

Beprobung von Goldartefakten des späten Bronze-/frühen Eisenzeit aus dem Karpatenbecken und angrenzenden Regionen

  • Projektleitung: Prof. Dr. Carola Metzner-Nebelsick
  • Kooperationspartner: Curt-Engelhorn-Centrum für Archäometrie Mannheim (Prof. Dr. Ernst Pernicka); Prähistorische Abteilung des Naturhistorischen Museum in Wien (Hofrat Dr. Anton Kern) sowie der Museums Stiftung Schloß Gottorf in Schleswig (Prof. Dr. Claus von Carnap-Bornheim)
  • Fördergeber: Gefördert aus dem Programm LMU-exzellent Bonusmittel für Frauen
  • Informationen auf der Website der Vor- und Frühgeschichtlichen Archäologie

Kurzbeschreibung

In Wien und Schleswig aufbewahrte Goldartefakte der späten Bronze- bzw. frühen Eisenzeit aus dem Karpatenraum wurden im Curt-Engelhorn-Centrum für Archäometrie Mannheim, u.a. durch Laserablation untersucht. Ziel war die Ermittlung der spezifischen chemischen Zu-sammensetzung der untersuchten Artefakte, die Rückschlüsse auf eine zu vermutende gemeinsame Herstellung sowie potentielle Goldlagerstätten, aus denen das Gold zur Herstellung der Artefakte gewonnen wurde, erlauben sollten. Als Ergebnis wurde erhofft, eine Zuschreibung von Artefakten ungesicherter Provenienz zu bekannten Fundkomplexen zu verifizieren oder falsifizieren. Ein entsprechender Nachweis konnte erbracht werden.

Zudem fließen die Ergebnisse in ein derzeit noch laufendes Grundlagenforschungsprojekt über Goldlagerstätten in Europa bzw. deren spezifische chemische Eigenart ein.

Erschließung der Vorgeschichte Grünwalds

  • Projektmitarbeiter: Antonia Flontaş MA
  • Ehemalige Mitarbeiterinnen: Leonhard Geisweid M.A., Kathrin Kröning M.A., Simone Reuß M.A., Imke Westhausen M.A.
  • Kooperationspartner: Gemeinde Grünwald, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege
  • Finanzierung: Drittmittelprojekt finanziert durch die Gemeinde Grünwald
  • Informationen auf der Website der Vor- und Frühgeschichtlichen Archäologie

Kurzbeschreibung

Drei ausgewählte Fundstellen mit jeweiligem Schwerpunkt in der Mittelbronzezeit und/oder der Urnenfelderzeit im Süden von Grünwald stehen im Fokus des Projektes. Dabei handelt es sich um Altgrabungen vom Beginn des 20. Jahrhunderts als auch um Rettungsgrabungen der jüngeren Vergangenheit.

Ziel des Projektes ist es einen Beitrag zur Erschließung der Vorgeschichte Grünwalds im Zeitfenster der Mittleren Bronzezeit bis zur Urnenfelderzeit zu leisten, da insbesondere in diesem Zeitraum das Gebiet in und um Grünwald ein sehr beliebter Besiedlungsraum war.

Das Projekt umfasst die noch andauernde Restaurierung und Konservierung von Funden, die im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege durchgeführt wird. Die Materialaufnahme und zeichnerische Erfassung ausgewählter Funde sowie die archäologische Bearbeitung und Auswertung erfolgt seit Dezember 2011 an der LMU.

Die Menschen aus dem spätkeltisch-frührömischen Gräberfeld Povegliano Veronese

Kurzbeschreibung

Das spätkeltisch-frührömische Gräberfeld Povegliano Veronese (Prov. Verona, I) ist eine der größten birituellen Nekropolen in Nordostitalien. Das Gräberfeld wird von den Universitäten Bologna (Prof. D. Vitali) und Budapest (Prof. M. Szabó) ausgegraben. Die osteologische Erschließung steht unter der Leitung von PD Dr. W.-R. Teegen.

Die Nekropole ist durch ihre reichen Bronzefunde spätrepublikanischer Zeit bekannt (z.B. Griffschale vom Typ Povegliano). Die auf der Grabung bzw. im Antiquarium durchgeführten osteologischen Untersuchungen ergaben bereits bemerkenswerte Ergebnisse.

Auffällig ist die hohe Zahl von Neugeborenen und Kleinkindern unter 12 Monaten (ca. 40%). Ihre Gräber wurden teilweise bereits mit zahlreichen Gefäßbeigaben versehen (Foto), was einen starken Bezug der Eltern zu ihren verstorbenen Kindern dokumentiert.

Die Grabung wird durch die lokale Administration und die Provinz Verona gefördert.

Es ist vorgesehen, die Ergebnisse in einer umfangreichen Monographie und einer internationalen Ausstellung bekannt zu machen.

Anthropologisch-paläopathologische und archäozoologische Untersuchungen im Trierer Land zwischen Urnenfelderzeit und Mittelalter

Kurzbeschreibung

Unsere Kenntnisse zum Gesundheits- und Krankheitszustand der Menschen und Tiere im Trierer Land in der Ur- und Frühgeschichte sind bislang noch gering. In einem diachronen Arbeitsansatz werden ausgewählte Knochenkomplexe analysiert.

Von besonderer Bedeutung sind die Untersuchungen von Sarkophagbestattungen aus der spätantiken Coemeterialbasilika unter der späteren Reichsabtei von St. Maximin zu Trier. Die Verknüpfung der textilarchäologischen Befunde (Promotionsprojekt N. Reifarth M.A., Universität Bamberg) und der anthropologischen Daten wird wichtige Ergebnisse zur Trachtgeschichte der spätrömischen Elite liefern. Dies gilt insbesondere für das Kindes- und Jugendalter. Die Untersuchungen erfolgen zusammen mit dem Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseum

Der Brandopferplatz bei Farchant

Kurzbeschreibung

Die internationale Forschung hat sich in den letzten Jahren verstärkt mit den archäologischen Relikten von Kult und Religion in prähistorischen Gemeinschaften befasst. Die vorgeschichtliche Archäologie an der LMU (Professor Dr. Amei Lang) beteiligt sich mit der hauptsächlich von der DFG geförderten Ausgrabung des ältereisenzeitlichen Brandopferplatzes bei Farchant, Lkr. Garmisch-Partenkirchen (6./5. Jh. v. Chr.) am Diskurs zu Ritualen an inneralpiner Kultstätten des 18. – 1. Jh. v. Chr.

Das Gräberfeld von Wörgl

Kurzbeschreibung

1838 wurden im Egerndorfer Wald bei Wörgl ein Urnengräberfeld angeschnitten. Die ersten Grabungen dort fanden dann 1842 und 1843 statt; die Funde gelangten in das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum nach Innsbruck. Die Fundstelle geriet in Vergessenheit, bis 1934 in dem inzwischen waldfreien Gelände bei Straßenbauarbeiten wieder Gräber zum Vorschein kamen. Gero v. Merhart, der von 1924 bis 1927 als Fachdirektor die urgeschichtliche Sammlung im Ferdinandeum betreut hatte und nach seiner Berufung auf den Lehrstuhl für Vor- und Frühgeschichte in Marburg weiterhin ehrenamtlicher Leiter der vorgeschichtlichen Abteilung des Ferdinandeums blieb, unternahm 1934 und 1935 Ausgrabungen im Egerndorfer Wald.

Ausgrabung der westgotenzeitlichen Kirche von Portera, Extremadura (Spanien)

Kurzbeschreibung

Im Herbst 2006 förderte die DFG Ausgrabungen an und in der westgotenzeitlichen Kirche von Portera, Prov. Caceres. Kooperationspartner für die Maßnahme ist Prof. Dr. Achim Arbeiter, Christliche Archäologie, Universität Göttingen. Untersucht wurde ein Kirchenbau der Zeit um 600 n. Chr., der bis vor kurzem - baulich verändert - als Schafstall genutzt wurde. Die Kirche gehört zu einer antiken Stadtwüstung. Das Monument und sein Umfeld bieten weiteres Potential. Hier sollen weitere Untersuchungen stattfinden.

Ausgrabung der frühmittelalterlichen Handwerkersiedlung in Wehringen

Kurzbeschreibung

Ein Teilbereich der im Rahmen eines Fabrikerweiterungsbaus entdeckten frühmittelalterlichen Handwerkersiedlung in Wehringen, Lkr. Augsburg konnte 2008 im Rahmen einer der 10-wöchigen Forschungsgrabung intensiv untersucht werden. Mitglieder der Gesellschaft für Archäologie in Bayern e.V. hatten Gelegenheit, an einer Lehrgrabung teilzunehmen.

Eisenerzabbau und –weiterverarbeitung im frühmittelalterlichen Bayern

  • Projektleitung: Prof. Dr. Bernd Päffgen
  • Projektmitarbeiter: Martin Straßburger M.A.
  • Kooperationspartner: Eleonora-Schamberger Stiftung; Gemeinde Wehringen; Stadt Aichach; Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege.
  • Informationen auf der Website der Vor- und Frühgeschichtlichen Archäologie

Kurzbeschreibung

Ende 2008 wurde ein wissenschaftliches Projekt zu Klärung von Eisenerzabbau und –weiterverarbeitung im frühmittelalterlichen Bayern begonnen.

Die Trichtergrubenfelder im nördlichen Alpenvorland gehören zu den wenigen im Laufe der Geschichte in Mitteleuropa entstandenen Eisenzentren. Nach dem Umfang der Trichtergrubenfelder zu urteilen, ist damit wichtiger Bestandteil der römischen und frühmittelalterlichen Siedlungs- und Wirtschaftsgeschichte dieser Region lange Zeit unbeachtet geblieben. In dem Projekt kommen, kombiniert mit der rein archäologischen Prospektion und Grabung, Methoden der Geophysik, Fernerkundung und der Mineralogie zur Anwendung.eisenerz2

In einem ersten Schritt wurden die vorhandenen Informationen überblicksweise zusammengestellt. Basierend darauf sind zwei konkrete Abbaugebiete ausgewählt worden: Das „Grubet“ bei Aichach und das in den westlichen Wäldern bei Augsburg zwischen Wehringen und Strassberg gelegene Pingenfeld „Prügelleite“. Letzteres wurde während des Sommers 2008 im Zuge der Lehrgrabung des Instituts für Vor- und Frühgeschichtliche und Provinzialrömische Archäologie der Ludwig Maximilians Universität im Bereich der frühmittelalterlichen Handwerkersiedlung in Wehringen untersucht. Es kann davon ausgegangen werden, dass das in den Westlichen Wäldern abgebaute Eisenerzmaterial in der Wehringer Siedlung weiterverarbeitet wurde. Insofern ergibt sich ein seltener Zusammenhang von Abbaustätte und Weiterverarbeitungsort. In dem Pingenfeld wurden bisher hauptsächlich Prospektionen und Vermessungen durchgeführt. Im Rahmen einer Lehrgrabung wird im April 2009 eine Pinge detailliert untersucht.

Vergleichend sollen ähnliche Arbeiten im „Grubet“ bei Aichach durchgeführt werden.

Ausgrabung der Katholischen Pfarrkirche St.Pankratius in Altdorf

Kurzbeschreibung

Im Frühjahr 2006 konnte die Ausgrabung der Kirche St. Pankratius in Altdorf mit Fachstudenten aus München, Fankfurt und Berlin durchgeführt werden. Die Aufarbeitung der Ausgrabung läuft derzeit im Rahmen einer Münchner Dissertation.

Dr. h.c. Peter Tholen (1882-1950), Frühe Kirchen im Rheinland - Dokumentation des wissenschaftlichen Nachlasses

  • Projektleitung: Prof. Dr. Bernd Päffgen
  • Projektmitarbeiter: Dipl.-Des. Kay-R. Lippmann
  • Kooperationspartner: Stiftung Archäologie in Köln; Römisch-Germanisches Museum Köln; Rheinisches Amt für Bodendenkmalpflege.
  • Informationen auf der Website der Vor- und Frühgeschichtlichen Archäologie

Kurzbeschreibung

Dr. h.c. Peter Tholen (1882-1950) untersuchte in der Kölner Bucht zwischen 1920 und 1950 zahlreiche früh- bis hochmittelalterliche Kirchenbauten. Die erhaltenen Dokumentationen werden in einem Privatarchiv der Familie verwahrt. Sie wurden 2007 bis 2009 aufgearbeitet.

PEKULI – Vielfalt und Dynamik der ostmediterranen Ernährung zwischen Bronze- und Eisenzeit

  • Projektleitung: Philipp W. Stockhammer und Shira Gur-Arieh
  • Fördergeber: Bundesministerium für Bildung und Forschung
  • Projektlaufzeit: 1.2.2020–31.1.2023

Kurzbeschreibung

Ziel von PEKULI ist das Verständnis der Vielfalt und Dynamik der individuellen menschlichen Ernährung an einer Schlüsselfundstelle des bronze- und eisenzeitlichen Ostmittelmeerraums, des Tells von Kamid el-Loz in der libanesischen Beqa-Ebene. Die Basis bildet die bioarchäologische Analyse der unter Rolf Hachmann dort ausgegrabenen Bestattungen. Durch die Integration der Analyse von Nahrungsresten (Phytolithen, Stärkekörnern) im menschlichen Zahnstein mit der Analyse stabiler Isotopen (C, N) im Knochenkollagen derselben Individuen wird gezeigt, was zeitgleich in Kamid el-Loz lebende Menschen gegessen haben und wie sich die Ernährungspraktiken von der Mittelbronzezeit bis in die Perserzeit von ca. 1800 bis 400 v. Chr. verändert haben. Die bioarchäologischen Ergebnisse werden mit den umfangreichen Ergebnissen der bisherigen Grabungen und laufenden, weiteren bioarchäologischen Analysen zusammenbringen. So wird es möglich sein, individuelle Ernährungspraktiken mit Alter, Geschlecht, sozialem Status, Verwandtschaft und Mobilität des verstorbenen Individuums aber auch mit den großräumigen Prozessen kulturellen Wandels im bronze- und eisenzeitlichen Ostmittelmeerraum zu verbinden. Diese Ergebnisse werden ein neues Licht auf die frühe ostmediterrane Küche und die Dynamik ihrer kontinuierlichen Veränderung werfen.

Bronze Age Live

  • Projektleitung: Philipp W. Stockhammer
  • Fördergeber: VW Stiftung
  • Projektlaufzeit: 2019 (einmalige Summe)
  • Weitere Informationen und Download: www.bronzeon.de

Kurzbeschreibung

Bronzeon ist ein Lernspiel für den Geschichtsunterricht der sechsten Klasse. Es ist auf den Lehrplan Plus der Sekundarstufe eins für bayerische Gymnasien abgestimmt.

MB Animal Mobility and Palace Economy at Tel Kabri: The Case of Cattle

  • Projektleitung: Philipp W. Stockhammer und Assaf Yasur-Landau, Universität Haifa
  • Fördergeber: Steinhardt Museum of Natural History, Tel Aviv
  • Projektlaufzeit: 2018

Minerva-Gentner Symposium 2019 „Food and Identity Formation in the Iron Age Levant and Beyond: Textual, Archaeological and Scientific Perspectives“

  • Projektleitung: Philipp W. Stockhammer und Aren Maeir, Bar Ilan University
  • Fördergeber: Minerva Stiftung
  • Projektlaufzeit: 29.04.2019–01.05.2019

ERC Starting Grant 2015 “FoodTransforms: Transformations of Food in the Eastern Mediterranean Late Bronze Age“

Kurzbeschreibung

Food studies provide insight into diet, nutrition and health of ancient cultures and offer information on a variety of aspects including agriculture and farming, as well as environmental issues. Beyond ecology, food analysis addresses socio-political topics, such as economy, mobility, gender, status and social hierarchies. Furthermore, in a medical-magical context, research deals with ritual, symbolic and qualitative meaning of food and consumption. Mediterranean cuisine (prior to the more recent introduction of plants from the New World) has long been perceived as a timeless constant, already linking the different societies around the sea by the 2nd millennium BC. The geographic frame was considered to be essential, whereas intercultural entanglements as transformative factors were neglected. However, it has become clear that the different elements perceived as hallmarks of Mediterranean cuisine (olive oil, wine, wheat bread etc.) were developed in specific regions and then spread through human agency. By integrating archaeological, textual and scientific research, we will shed new light on the transformative power of cultural encounters arising from the intense connectivity between local communities in the Eastern Mediterranean Late Bronze Age and the simultaneous introduction of food of South and East Asian origin (e.g. pepper, nutmeg, cinnamon) as key factors for the genesis of what we nowadays perceive as the Mediterranean diet.

BEFIM – Bedeutungen und Funktionen mediterraner Importe im früheisenzeitlichen Mitteleuropa

  • Projektleitung: Philipp W. Stockhammer (Sprecher des Projekts), Dirk Krausse, Landesamt für Denkmalpflege, Thomas Hoppe, Landesmuseum Württemberg und Cynthianne Debono Spiteri, Universität Tübingen
  • Fördergeber: Bundesministerium für Bildung und Forschung
  • Projektlaufzeit: 01.03.2015–28.02.2018
  • Weitere Informationen auf der Webseite des Projekts

Kurzbeschreibung

Archäologische Quellen zeigen, dass das Gelage bei frühkeltischen Gemeinschaften eine herausragende Bedeutung besaß. Das hierfür nötige lokale oder mediterrane Geschirr findet sich besonders vielfältig in den sog. Fürstensitzen und gräbern der frühen Eisenzeit (7.-5. Jh. v. Chr.) in Südwestdeutschland, der Schweiz und Ostfrankreich. Archäolog_innen sahen diese Importe lange Zeit vor allem als Versuch einer lokalen Elite, griechische Gastmähler nachzuahmen. Die aus dem Süden bekannte Funktion und Bedeutung der Gefäße wurden ohne Berücksichtigung der transformierenden Kraft von Kulturkontakten auf den Norden übertragen, selbst dann noch, als erste Nachweise tierischen Fetts aus Trinkgefäßen Zweifel weckten. Heute weiß man jedoch, dass bei der Begegnung von Kulturen ehemals fremde Objekte oft schon bald als Teil des Eigenen begriffen und mit neuen Bedeutungen und Funktionen versehen werden.

Die Forscher_innen von BEFIM möchten die Konsequenzen und Potentiale interkultureller Kontakte und die „Lebensgeschichte“ ausgewählter Gefäße unter die Lupe nehmen. Dazu untersuchen sie in enger Zusammenarbeit mit Museen, Forschungseinrichtungen und Universitäten in Deutschland, der Schweiz, Frankreich und den Niederlanden, in welchem Umfang die frühen Kelten mediterrane Gelagesitten und das zugehörige Weintrinken im früheisenzeitlichen Mitteleuropa aus dem Mittelmeerraum übernahmen. Oder nutzten sie vielmehr die fremden Transportbehälter und Trinkgefäße auf neue, ganz eigene Weise? Die Forscher_innen von BEFIM kombinieren hierfür die Auswertung der archäologischen Funde mit neuartigen naturwissenschaftlichen Analyseverfahren auf Nahrungsrückstände und Gebrauchsspuren in den Gefäßen

Zeiten des Umbruchs? Gesellschaftlicher und naturräumlicher Wandel am Beginn der Bronzezeit

  • Projektleitung: Philipp W. Stockhammer (Sprecher des Projekts), Johannes Krause, Universität Tübingen (bis 30.06.2016), Alissa Mittnik, Universität Tübingen (ab 01.07.2016)
  • Fördergeber: Heidelberger Akademie der Wissenschaften
  • Projektlaufzeit: 01.07.2013–30.06.2018
  • Weitere Informationen auf der Webseite der Heidelberger Akademie der Wissenschaften

Kurzbeschreibung

 Der Übergang vom Neolithikum zur frühen Bronzezeit in Mitteleuropa im späten 3. und frühen 2. Jt. v. Chr. wird von der Mehrheit der Forschung bislang als überregional einheitlicher Prozess imaginiert, in dessen Verlauf man einerseits die neue Technologie des Bronzehandwerks immer besser beherrschte und es andererseits zur Herausbildung einer überregionalen Elite kam, deren Macht auf weiträumigen Netzwerken und der Kontrolle des Metallhandwerks und seiner Produkte basierte. Offenbar spielte sich dieser Wandel jedoch in regionaler, ökologischer, chronologischer und sozialer Hinsicht weitaus differenzierter ab.

Ziel unseres Projekts ist es, für Südwestdeutschland zwischen Lech, Rhein und Neckarmündung zu zeigen, in welchem Umfang endneolithische und frühbronzezeitliche Gesellschaften zeitgleich nebeneinander existierten und inwiefern sich die verschiedenen regionalen Gruppen in ihrer Mobilität, Ernährung und anderen sozialen Praktiken sowie ihrer materiellen Kultur unterschieden. Wir möchten mit Hilfe von aDNA-Analysen klären, inwiefern genetische Verwandtschaftsbeziehungen zwischen herausragend ausgestatteten Bestattungen der Frühbronzezeit sowie zwischen endneolithischen und frühbronzezeitlichen Gesellschaften bestanden, also unsere technologiebasierten Gesellschaftsdifferenzierungen auch prähistorische Distinktionen widerspiegeln. Dies ist deshalb von besonderem Interesse, weil im Arbeitsgebiet eine Vielzahl endneolithischer und frühbronzezeitlicher Bestattungen in unmittelbarer Nachbarschaft und zum Teil sogar im selben Gräberfeld ergraben werden konnten. Isotopenanalysen an menschlichem Skelettmaterial erlauben uns zudem Rückschlüsse auf individuelle Mobilitätsmuster und Ernährungsgewohnheiten und deren mögliche Veränderung vom Neolithikum zur frühen Bronzezeit. Mit Hilfe von Blei- und Zinnisotopie möchten wir die Herkunft des für die Metallobjekte verwendeten Kupfers und Zinns lokalisieren. Zudem fragen wir, inwiefern die Übernahme der Bronzetechnologie durch lokale Gemeinschaften eine Veränderung der Mensch-Umwelt-Beziehung – etwa in Form neuer Subsistenztechniken – zur Folge hatte und überprüfen deshalb relevante Umweltarchive in der Umgebung der von uns untersuchten Fundorte, um mikroregionale Landschaftsveränderungen im späten 3. und frühen 2. Jt. v. Chr. aufspüren zu können.

Im Rahmen unseres Projekts möchten wir einerseits das gängige Narrativ vom kontinuierlichen technischen Fortschritt dekonstruieren und andererseits die historische Dimension von technischen Aneignungsprozessen demonstrieren, die in den Sozialwissenschaften bislang ohne Berücksichtigung einer diachronen Perspektive diskutiert werden. Die Einbeziehung der gesamten menschlichen Lebenswelt durch die Integration aktueller geistes- und naturwissenschaftlicher Forschungsansätze wird uns ermöglichen, den gesellschaftlichen und naturräumlichen Wandel am Beginn der Bronzezeit in seinen Ausmaßen und seiner Bedeutung für den prähistorischen Menschen besser zu verstehen.