Fakultät für Kulturwissenschaften
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Sinologie

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Kulturelle Vielfalt im nördlichen China des 5. und 6. Jahrhunderts

  • Projektleitung und Durchführung: Prof. Dr. Thomas O. Höllmann
  • Fördergeber: DFG (seit 2015)

Kurzbeschreibung

Das chinesische Kaiserreich wird in der Rückschau gerne als stabile Einheit betrachtet, die sich durch Homogenität und Kontinuität auszeichnet. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass die Epochen der Zersplitterung und der Fremdherrschaft für die Geschichtswissenschaft weniger attraktiv waren als die Jahrhunderte überdauernden Dynastien Han, Tang oder Ming. Besonders deutlich zeigt sich diese 'Vernachlässigung' für die Zeit zwischen 221und 588, als jeweils zeitgleich mehrere, teilweise nicht-chinesische Herrscherhäuser über das Territorium der heutigen Volksrepublik geboten. Setzte man sich, den Vorbehalten trotzend, dennoch mit den 'Barbaren' auseinander, die vor allem im Norden eine wichtige Rolle spielten, lag der Fokus im allgemeinen auf deren Sinisierung, die auf die enorme Anziehungskraft der chinesischen Kultur zurückgeführt wurde. Oder man widmete sich Gruppen ohne Machtanspruch: wie den aus Zentralasien zuwandernden Zoroastriern, denen man zuletzt größere Aufmerksamkeit schenkte. Vor allem wird oft übersehen, dass diese 'Interimsperiode' die Kultur der frühen Tang-Dynastie entscheidend prägte. Immerhin haben einige Studien inzwischen eindrucksvoll nachgewiesen, dass das politische und kulturelle Spannungsfeld zwischen den verschiedenen Völkern auf chinesischem Boden erheblich komplexer war als dies die mehrheitlich der nationalen Einheit verpflichtete Forschung wahrhaben will. Daran will das hier beantragte Vorhaben mit einer exemplarischen Untersuchung anknüpfen, deren wichtigste Quellen aus archäologischen Hinterlassenschaften bestehen, die in den letzten Jahrzehnten geborgen werden konnten. Sie stammen vorwiegend aus der Provinz Shanxi, wo vor allem im 5. und 6. Jh. eine ganze Reihe von Fremdvölkern ansässig war, deren kulturelle Ausprägungen und Abgrenzungen sich insbesondere an den Wandmalereien in Gräbern der Oberschicht ablesen lassen. Die Zugänglichkeit des Materials wird durch eine enge Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Institut der Provinz verbürgt.Schwerpunkte der Studie sind: 1) die Identifizierung der Xianbei und anderer Stämme und ihrer Lebensformen durch bildliche Darstellungen, ihre materiellen Hinterlassenschaften sowie archäologische Schriftdokumente; 2) die Entstehung einer überregionalen 'Identität' der Tuoba bzw. der Xianbei (Ethnogenese), ihre Ursachen und Folgen; 3) die Frage nach der Stabilität dieser komplexen Gesellschaft und ihrer Hinterlassenschaft.Es ist zu erwarten, dass durch dieses Projekt einige Elemente der Xianbei und der anderen fremden Kulturen auf chinesischem Boden sowie ihre Einflüsse auf die chinesische Zivilisation klargestellt werden können. Somit kann ein Beitrag zu einer revidierten Ansicht der 'Nord-Barbaren' im frühen mittelalterlichen China geleistet werden

Verwandtschaft, Heirat und Politik im frühen China im Licht von rituellen Bronzeinschriften aus dem 11.-8. Jh. v. u. Z.

  • Projektleitung und Durchführung: Dr. Maria Khayutina
  • Fördergeber: DFG (seit 01.07.2014)

Kurzbeschreibung

Das Vorhaben möchte die Interaktion zwischen frühchinesischen Fürstentümern untereinander und mit dem Zhou-Königshaus im 11.-8. Jh. v. u. Z. erforschen mit dem Ziel, die politische Organisation des frühen China vor dem Hintergrund seiner spezifischen gesellschaftlichen Strukturen zu erklären. Als Grundlagen dazu dienen zum Einen zeitgleiche Inschriften an rituellen Gefäßen aus Bronze, zum Anderen archäologisch untersuchte Grabanlagen einiger Fürstentümer, die die soziale Struktur der lokalen Gesellschaften widerspiegeln und die chronologische Zuordnung sowie die historisch-anthropologische bzw. historisch-geographische Kontextualisierung des epigraphischen Materials erlauben. Im Mittelpunkt stehen folgende Fragen: Wie waren die Fürstentümer miteinander vernetzt? Wie waren sie an das Zhou-Königshaus gebunden? Wie kommunizierten Mitglieder des Zhou-Netzwerks mit ihren politisch autonomen Nachbarn? Welche Rolle spielten dabei Verwandtschaft und Heiratsverhältnisse? Welche anderen Faktoren, u. a. Organisation der Kriegführung und Wettbewerb um Prestige, förderten die Interaktion im frühchinesischen politischen Raum? Die auf traditioneller Historiographie basierten Darstellungen der politischen Ordnung des frühen China werden kritisch evaluiert und ein der aktuellen Quellenlage und dem neuesten Forschungsstand entsprechendes Erklärungsmodell wird erarbeitet. Die Projektergebnisse werden in Form einer Monographie publiziert.