Fakultät für Kulturwissenschaften
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Provinzialrömische Archäologie

Aktuelle Projekte:

Abgeschlossene Projekte:

 


Das römische Marschlager von Wilkenburg-Laatzen (Hannover)

  • Kooperationspartner: Prof. Dr. Salvatore Ortisi (Ludwig-Maximilians-Universität München); Prof. Dr. Joachim Härtling u.  Dipl. Geogr. Andreas Stele (Universität Osnabrück); Hon. Prof. Dr. Stefan Winghart, Dr. Henning Haßmann, Friedrich-Wilhelm Wulf M.A. (Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege); Ute Bartelt M.A. (Region Hannover); Dr. Robert Lehmann (Leibniz Universität Hannover); Dr. Frank Berger (Historisches Museum Frankfurt)
  • Informationen auf der Webseite der Provinzialrömischen Archäologie

Kurzbeschreibung

Das Wilkenburger Lager ist das erste in Norddeutschland entdeckte und zumindest ansatzweise ergrabene römische Marschlager. Im Rahmen der augusteischen Germanien-Feldzüge müsse zahlreiche solcher Lager angelegt worden sein. Ihr Nachweis ist aufgrund der Fundarmut allerdings schwierig. Mit der Entdeckung des Lagers von Wilkenburg liegt nun erstmals ein konkreter Nachweis des römischen Militärs im zentralen Niedersachsen vor.

Schnittstelle römische Stadtmauer/Moselaltarm Trier

  • Kooperationspartner: Prof. Dr. Salvatore Ortisi u. Christoph Lindner (Ludwig-Maximilians-Universität München); Dr. Marcus Reuter, Mechthild Neyses-Eiden u. Dr. Joachim Hupe (Rheinisches Landesmuseum Trier); Prof. Dr. Olaf Bubenzer, Florian Steininger u. Michael Drechsler (Universität zu Köln)
  • Informationen auf der Webseite der Provinzialrömischen Archäologie

Kurzbeschreibung

Ziel dieses Projekts war die Beantwortung einiger zentraler Forschungsfragen, die die Siedlungsentwicklung des römischen Triers betreffen. Vor allem waren dies die Datierung der römischen Stadtmauer und der Umgang mit schlechtem Baugrund in römischer Zeit

Obwohl es an Kleinfundmaterial mangelte, gelang eine exakte Datierung des Baus. Von der Spundwand der Baugrube konnten mehrere Holzproben geborgen werden. Die Untersuchung im dendrochronologischen Labor des Rheinischen Landesmuseums Trier ergaben ein Fälldatum im Winterhalbjahr 169/170 n. Chr. Die Anlage der Spundwand und damit der Beginn am Bau der römischen Stadtmauer muss im Jahr 170 n. Chr. erfolgt sein. Dies ist der erste naturwissenschaftliche Beweis für die Errichtung dieses Bauwerks und lässt Rückschlüsse auf das UNESCO-Welterbe Porta Nigra zu.

Kimmerick auf der Krim

Kurzbeschreibung

Das antike Kimmerik liegt unweit der Meerenge von Kertsch an der Südküste der Krim. Das Bosporanische Reich, zu dem die Küstenstadt in der Antike gehörte, war eine der bedeutendsten Kontaktzonen zwischen den großen Kulturen des Mittelmeerraumes und den asiatischen Steppenvölkern. Das in vorangegangenen Untersuchungen und Surveys geborgene Fundmaterial deutet darauf hin, daß der strategisch günstig über einer Lagunenlandschaft gelegene Siedlungsberg von Kimmerick (Opuk) von der archaischen Zeit bis mindestens in das 6. oder 7. Jahrhundert genutzt wurde. Ein limesartiges Wall-Grabensystem, das die Kertsch-Halbinsel durchschneidet, hatte hier seinen südlichen Endpunkt.

Erste Surveys und die 2012 von der Krim-Abteilung der Ukrainischen Akademie der Wissenschaften in Zusammenarbeit mit der Universität zu Köln und der russischen Universiät Saratov durchgeführten Ausgrabungen an verschiedenen Stellen des Siedlungsareals und im Bereich der Stadtmauer deuten darauf hin, dass sich der Kernbereich der Siedlung in der späteren Kaiserzeit von einer zunächst küstennahen Position auf das höher gelegene Hügelplateau verlagert hat.

Im Mittelpunkt der Untersuchungen standen Fragen nach der Chronologie einer auf dem Bergplateau angelegten Höhensiedlung („Zitadelle). Dabei wurde deutlich, dass das gut geschützte Siedlungsareal auf dem Hochplateau („Zitadelle“) vom 3. bis in das 6. oder 7. Jahrhundert intensiv genutzt wurde. Möglicherweise ist dies auf die Funktion der Stadt als südliche Hafen- und Relaisstation des „bosporanischen Limes“ zurückzuführen. Die Aufarbeitung der Grabungs- und Surveyergebnisse wird von der Abteilung Provinzialrömische Archäologie der Ludwig-Maximilians-Universität München in Zusammenarbeit mit Valentina Mordvintseva fortgeführt.

Der römische Vicus von Nettersheim

  • Kooperationspartner: Gemeinde Nettersheim, LVR-Amt für Bodendenkmalpflege, Geographisches Institut der RWTH Aachen, Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität zu Köln (Labor für Archäobotanik, Labor für Dendroarchäologie), Dr. H. Christian Credner (Trier)
  • Informationen auf der Webseite der Provinzialrömischen Archäologie

Kurzbeschreibung

In zwei großen Grabungskampagnen 2012 und 2013 konnten wir an der Alten Gasse ein großes rechteckiges Gebäude („Handwerkerhaus“) freilegen, das mit seiner Längsseite an der römischen Fernstraße orientiert war. Im rückwärtigen Hausbereich konnten wir eine große Herdstelle (Esse?) und einen kleinen (Eisen-)Schmelzofen sowie eine aus Stein gesetzte (Werk-?)Bank freilegen. Die Einbauten deuten darauf hin, dass im rückwärtigen Hausbereich eine Schmiede betrieben wurde. Das wohl bereits im 1. Jh. angelegte Gebäude brannte mehrfach ab und wurde, zumindest einmal mit verändertem Grundriss, immer wieder aufgebaut. Um die Mitte des 3. Jhs. ist es in einer großen Brandkatastrophe, die weite Teile des Vicus getroffen hat, ein letztes Mal untergegangen und dann aufgegeben worden.

Bereits 2013 wurde unmittelbar südlich des „Handwerkerhauses“ eine größere gekieste Fläche angeschnitten, die als Indiz für eine angrenzende Nebenstraße gedeutet wurde. Diese Vermutung hat sich 2014 bestätigt. Die hangaufwärts führende Straße wurde mehrfach massiv aufgekiest. Am nördlichen Straßenrand entwässerten kleine Kanäle in mit Steinen ausgekleidete runde Schöpfbrunnen. Bisher ist noch nicht geklärt, ob diese Wasserentnahmestellen Teil der Infrastruktur der Straße darstellen oder im Zusammenhang mit der Wohn- und Gewerbebebauung zu sehen sind. Eine Überraschung brachte 2015 die Erweiterung der Untersuchungsfläche hangaufwärts: auf der Straße und über dem vom „Handwerkerhaus“ herabgestürzten Brandschutt konnten wir die gut erhaltenen Reste eines einfachen Gebäudes freilegen. Große wiederverwendete Steinblöcke (Spolien) und die Südmauer des zerstörten „Handwerkerhauses“ bildeten das Unterlager eines Holz- oder Fachwerkbaus, der den Straßenbereich komplett überbaute. Im Inneren des Gebäudes waren mindestens zwei Herdstellen und eine steinerne (Werk-?)Bank erhalten, die auf handwerkliche Tätigkeiten schließen lassen. Bemerkenswert ist, dass man den öffentlichen Straßenraum nach der Brandkatastrophe des 3. Jhs. für private Zwecke nutzen konnte. Die unmittelbar angrenzende Ruine des „Handwerkerhauses“ wurde dagegen nicht mehr aufgebaut.
Ebenfalls 2015 gelang es, erste kleine Hinweise auf eine kriegerische Ursache der Brandzerstörung im 3. Jh. zu bekommen: im Brandschutt des „Handwerkerhauses“ fanden wir die Reste einer genagelten (Militär-?)Sandale und eine große Pfeilspitze.

In der Grabungskampagne 2016 soll die Untersuchungsfläche im Bereich der Nebenstraße und des Handwerkerhauses hangaufwärts erweitert werden.

Severisches Kastell MYD(---)/Gheriat el-Garbia (Libyen)

  • Projektleitung: Prof. Dr. Michael Mackensen
  • Kooperationspartner: Department of Archaeology, Tripolis (Dr. S. al-Agab, I. Chatanash und M. Turjman)
    Projektmitarbeiter: Dr. F. Schimmer, S. Schmid M.A. (Universität München); M. Weber M.A. (Universität Reading), Prof. Dr. J. Eingartner (Universität Augsburg), Prof. Dr. R. Haensch (Deutsches Archäologisches Institut München), Dr. H.-Chr. Noeske (Universität Frankfurt a.M.), Dr. M. Stephani (TU München), Prof. Dr. W. Hübner (Hochschule München), Dr. S. Seren (Zentralanstalt für Meteorologie u. Geodynamik, Wien), Dr. M. Eineder (Deutsches Zentrum für Luft- u. Raumfahrt, Oberpfaffenhofen-Weßling), PD Dr. G. Schneider (FU Berlin), Dr. M. Daszkiewicz (Fa. Archea, Warszawa), Dr. A. Scharf (Universität Erlangen-Nürnberg), Dr. N. Pöllath, PD Dr. W. -R. Teegen (Universität München), Dr. J. Morales (Universität Las Palmas). C. Cartwright (British Museum, London), Prof. Dr. J. Peters (Universität München), Dr. S. Ziegler (Universität Jena)
  • Fördergeber: LMUexcellent 2009/10, Eleonora-Schamberger-Stiftung (2011/12), DFG (2012-2014)
  • Informationen auf der Webseite der Provinzialrömischen Archäologie

Kurzbeschreibung

Das internationale Forschungsnetzwerk untersucht die römische Reichsgrenze des späten 2. bis frühen 5. Jahrhunderts am ca. 800 km langen limes Tripolitanus im nordwestlichen Libyen und in Südtunesien. Angewandt werden archäologische Feldforschungsmethoden (Prospektion, Ausgrabung, Analyse des Fundmaterials) und modernste naturwissenschaftliche Prospektions-, Vermessungs- und Dokumentationstechniken unter Verwendung optischer Satellitenbilder und Satellitenradardaten. Im Mittelpunkt des Teilprojekts 1 steht das 300 km südlich von Tripolis am Rand der Steinwüste Hamada al-Hamra gelegene Oasen-Kastell Gheriat el-Garbia.

Spätantike Feinkeramikproduktion in Nord- und Zentraltunesien

  • Projektleitung: Prof. Dr. Michael Mackensen
  • Kooperationspartner: Deutsches Archäologisches Institut Rom, Musée de Carthage
  • Projektmitarbeiter: PD Dr. G. Schneider (Archäometrie, Freie Universität Berlin)
  • Fördergeber: Gerda Henkel Stiftung (seit 1998)
  • Informationen auf der Webseite der Provinzialrömischen Archäologie

Kurzbeschreibung

Bei Tebourba im Hinterland von Karthago liegen mehrere Töpfereizentren, in denen vom 4. bis 7. Jahrhundert n. Chr. hochwertiges Tafelgeschirr (Sigillata) und Lampen nicht nur für den regionalen Markt, sondern auch für die Verhandlung im Mittelmeerraum produziert wurden. Nach der Prospektion und der Untersuchung von El Mahrine werden nun die Formen- und Dekorspektren der Töpfereien von Bordj el-Djerbi und Henchir el-Biar zusammen mit archäometrischen Analysen – im Vergleich mit den zentraltunesischen Produktionszentren – bearbeitet.

Spätrömisches Kastell Praesentia (?)/Nag el-Hagar in Oberägypten

  • Projektleitung: Prof. Dr. Michael Mackensen
  • Kooperationspartner: Dr. M. El-Bialy (Supreme Council of Antiquities Aswan), Dr. C. von Pilgrim (Schweizerisches Institut für Ägyptische Bauforschung und Altertumskunde Kairo)
  • Projektmitarbeiter: Dr. R. Franke, Dr. F. Schimmer, Dr. M. Sieler (Universität München), Dr. M. Stephani (TU München), Dr. H.-Chr. Noeske (Universität Frankfurt), Prof. Dr. S. Richter (Universität Münster), Dr. A. von Kienlin (ETU Zürich)
  • Fördergeber: Gesellschaft der Freunde u. Förderer der LMU München (2005), Gerda Henkel Stiftung (2006, 2008-11), Eleonora Schamberger Stiftung (2008, 2011-2013)
  • Informationen auf der Webseite der Provinzialrömischen Archäologie

Kurzbeschreibung

Das spätrömische Kastell liegt nördlich des 1. Katarakts bei Assuan am Ostufer des Nil, nahe der Südgrenze der spätantiken Provinz Thebaïs, die ab 298 n. Chr. auch die südliche Reichsgrenze bildete. Exzeptionell ist die bereits 1984 bis 1989 freigelegte Palastanlage, die mit der Anwesenheit des römischen Kaisers Diokletian in Verbindung gebracht wurde. Untersucht werden seit 2005 die Wehranlagen und die noch erhaltene älteste Innenbebauung (Mannschaftsunterkünfte und Stabsgebäude) sowie die Keramik, die Aussagen zur garnisonierten Truppe und zum Erbauungszeitpunkt des Kastells ermöglichen.

Römisches Militär in Nordafrika und im Orient

Kurzbeschreibung

Verschiedene Beobachtungen und Studien zur Topographie sowie zu Gebäudetypen und Strukturen römischer Militärlager der frühen bis späten Kaiserzeit sowie zur Ausrüstung des römischen und frühbyzantinischen Heeres in den nordafrikanischen Provinzen und im Orient ergaben sich im Verlauf diverser Aufenthalte und Exkursionen im Kontext der teilweise schon abgeschlossenen Projekte.

Spätrömisches Grenzkastell Caelius Mons/Kellmünz a. d. Iller (Bayern)

Kurzbeschreibung

Mehrjährige Ausgrabung eines um 300 n. Chr. im Rahmen des Festungsbauprogramms der Kaiser Diocletianus und Maximianus Herculius an der spätrömischen Reichsgrenze im Nordwesten der Provinz Raetia auf dem östlichen Illerhochufer errichteten Kastells mit polygonalem, dem Gelände angepaßten Grundriß (Innenfläche 0,86 ha) und mehrperiodiger Innenbebauung. Die Ausgrabungen wurden 1995 abgeschlossen; im August 2001 wurde am nordöstlichen Eckturm eine Notgrabung in Kooperation mit der Kreisarchäologie Neu-Ulm durchgeführt.

Untersucht wurden große Teile der mächtigen Festungsmauern, darunter das Haupttor sowie Zwischen- und Ecktürme der Ostmauer und der Nordwestmauer sowie im heute nahezu vollständig überbauten Innenbereich Teile einer in Holzbauweise errichteten Mannschaftsunterkunft sowie ein 14 x 26 m großer, einschiffiger Hallenbau (aula) mit Apsis, Kanalheizung und Säulenvorhalle; der architektonisch aufwendige Großbau (ohne anschließenden Raumkomplex) diente während der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts im Kontext staatlicher Repräsentation und der temporären Anwesenheit hochrangiger Amts- und Würdenträger der Zivil- und/oder Militärverwaltung wohl zum Empfang alamannischer Gesandtschaften und zur Rechtssprechung.

Spätrepublikanische Lager von Renieblas, Prov. Soria (Spanien)

  • Projektleitung: Priv.-Doz. Dr. Martin Luik, gemeinsam mit Ass.-Prof. Dr. Alicia Jiménez, Dr. Jesús Bermejo Tirado
  • Kooperationspartner: Duke University, Durham, North Carolina/USA; Deutsches Archäologisches Institut Madrid; Universidad Complutense Madrid
  • Fördergeber: Deutsche Forschungsgemeinschaft; National Science Foundation; Trent Foundation
  • Informationen auf der Webseite der Provinzialrömischen Archäologie

Kurzbeschreibung

Den römischen Militärlagern von Renieblas (2./1. Jh. v. Chr.) kommt aufgrund ihres teilweise hervorragenden Erhaltungszustandes, aber auch aufgrund ihrer historischen Bedeutung für die Okkupation der Iberischen Halbinsel besondere Bedeutung zu. Die römischen Lager wurden in den Jahren 1909 bis 1912 durch Ausgrabungen unter der Leitung von Adolf Schulten untersucht, die viele Fragen offen bleiben lassen, insbesondere zur Funktion und genauen Zeitstellung. Nach derzeitig gültiger Forschungsmeinung erstreckt sich die Zeitstellung der römischen Lager vom frühen 2. Jh. v. Chr. (Lager I, II) bis in das frühe 1. Jh. v. Chr. (Lager V).

Die enorme Ausdehnung der römischen Lager macht die Durchführung von verschiedenen Teilprojekten technisch völlig unabhängig voneinander möglich. Im Südteil wurde im Lager V nach einer vorbereitenden geophysikalischen Prospektion 2009, die von der Zentrale des Deutschen Archäologischen Instituts finanziert wurde, mit Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Jahre 2010 eine Testgrabung durchgeführt. Im Nordteil, im Bereich der römischen Lager I und II, galten nach einer vorbereitenden Geländeprospektion 2014 Testgrabungen 2015 und 2016 unter Federführung der Duke University der Abklärung des Erhaltungszustands der Befunde. Die Forschungen sollen fortgesetzt werden